Inzwischen in Montenegro

Unser erstes Anlaufziel in Montenegro ist die Kleinstadt Bijela. Auf meiner App für Stell- und Campingplätze war hier das erste Autokamp eingezeichnet nach der Bosnien-Herzegowina-Grenze. Übrigens vielen Dank an meine Schwester, die mir einen Zeitungsausschnitt kopiert und gesandt hat, in dem es viele interessante Tipps für Wohnmobilisten gab. Einer davon ist diese App!!! Sie funktioniert prima!

Aber ich will dort beginnen, wo ich das letzte Mal aufgehört habe: in Trogir/Kroatien. Am Abend vor unserem Besuch der Altstadt konnten wir sehen, dass es ein Bootstaxi gab, Anlegestelle nur wenige Meter von unserem C.platz entfernt. Morgens in aller Frische sind wir tapfer in die Stadt gewandert, ordentlich Pflaster getreten und als nachmittags die Füße müde wurden, haben wir uns das Taxi nach Hause gegönnt. Es hat umgerechnet nur 3€ gekostet, das kann man sich ja mal leisten. Die romanisch-gotische Altstadt wie sie jetzt zu sehen ist, wurde Mitte des 15. Jh. wieder aufgebaut, jedoch gibt es erste Aufzeichnungen aus dem 3. Jh. vor Chr., damals als griechische Siedlung. Seit 1997 ist sie aufgenommen als Weltkulturerbe der UNESCO. Aber es war voll! Zusätzlich zu den vielen Touristen (über die wir uns ja nicht wirklich beschweren können, sind ja selbst welche) fand ein Fahrradrennen statt, das überlaut durchs Mikrofon kommentiert und in den Redepausen mit Discomusik begleitet wurde. Mit anderen Worten: die kleinen Gassen waren übervoll, die Restaurants besetzt mit Chinesen, die sich in großen Scharen durch das Städtchen quetschten und  jedes Fotomotiv durch Selfies blockierten. Trotzdem war es ein schöner Tag!

Wieder unterwegs hieß es einen neuen Übernachtungsplatz zu finden. Eine sich allabendlich wiederholende Suche – manchmal etwas nervig, wenn weit und breit nichts von einem Autokamp zu sehen ist. So wie an diesem Abend! Endlich, nach langer Fahrerei, das erlösende Hinweisschild an der Straße: Rio’s  Camping , 7km. Wir fanden ihn sofort: umzäunt mit flatternden, zerrissenen Tarnnetzen und einem Holzhüttchen als Rezeption mit einem Preisschild für Campinggäste. Nur ließ sich leider niemand blicken. Wir ließen das Auto stehen und liefen zu Fuß über den seit Jahren nicht gepflegten Platz, wunderten uns über ein paar Wohnwagen, die offensichtlich hin und wieder benutzt werden und trafen am Ende einen etwas einsilbigen Mann vor seinem Wagen sitzend, der, nach dem Platzwart befragt, die Achseln zuckte und meinte, dieser schliefe wohl… Von einer benachbarten Strandbar kam uns ein Mann zu Hilfe, der mit seinem Handy den Besitzer des Platzes herausklingelte. Schlaftrunken  (oder vielleicht auch ohne Schlaf… ) winkte er ab, als wir ihm das abgezählte Geld (15€) in die Hand geben wollten, statt dessen streckte er uns eine Schale mit frischen Erdbeeren entgegen und wollte offensichtlich in seiner Ruhe nicht gestört werden. Dieser Platz lag an einem Fluss mit altem Olivenbaumbestand, soweit wirklich schön, nur leider gab es schon sehr viele Mücken. Also bauten wir flink alles für die Nacht auf und verließen unseren Dicken erst am nächsten Morgen. Wieder an der “Rezeption” angekommen, stand der Besitzer schon draußen, wach und redselig, erzählte von seinen Ländereien, Plantagen und was ihm noch so alles gehöre und schenkte uns die Übernachtung! Der hilfsbereite Mann aus der Bar vom Vorabend erschien auch erneut, dieses Mal mit einer Plastiktüte, die er uns freundlich lächelnd übergab: 2 kleine Weißkohlköpfe als Wegzehrung wechselten den Besitzer. Unsere überraschten Gesichter kann sich wohl jeder vorstellen!

Irgendwann erreichten wir die Grenze nach Bosnien-Herzegowina. Die Landeswährung in Kroatien heißt Kuna, die in BH Konvertible Mark. Also wieder Geld wechseln – wie lästig. Wir schauten uns Mostar an, bekannt durch die rekonstruierte Stari Most (alte Brücke) und die Koski-Mehmed-Paša-Moschee. Die echte alte Brücke wurde im Bosnienkrieg zerstört aber schon nach wenigen Jahren wieder aufgebaut. Die sehenswerte Altstadt – wie gehabt überfüllt – war schnell durchlaufen, aber auf den Turm der Moschee (Minarett) musste ich unbedingt noch. Reiner verweigerte sich und wartete am Brunnen vor dem (Eingangs-)Tore. Die “Besteigung” stellte sich als äußerst anstrengend heraus, die Stufen waren sehr schmal und aus glitschigem Stein und es ging immer rund, rund, rund ohne Plattform zum Pausieren. Der Ausblick von oben ist allerdings grandios auch wenn der Turm wackelte und ich mich anstrengen musste, nicht “seekrank” zu werden. Der Abstieg war nicht minder anstrengend (die Kniee) und ich war wirklich froh wieder festen Boden unter den Füßen zu haben.

Blagaj ist der nächste Ort, den wir besuchten und wo wir auch einen sehr schönen Platz direkt am Fluss fanden. Dieser Ort ist bekannt durch eine der größten Karstqellen Europas: die Buna-Quelle. Sie entspringt aus einer 200 m tiefen Felsenhöhle mit einer Schüttung von 43.000 Litern pro Sekunde!!! Dabei ist der ganze Fluss nur 9km lang und mündet in die Neretva. Der Quellort hatte schon einen türkischen Sultan dermaßen beeindruckt, dass er dort im 16. Jh.  ein Kloster für einen Derwischorden erbauen ließ. Viele Restaurants buhlen um Essensgäste, wir ließen uns gerne überreden und bekamen einen riesigen Grillteller. Weil  trotz selbstgebautem Alublinker keine Forelle aus “unserem” Fluss anbeißen wollte, kauften wir uns in der nicht weit entfernten Forellenfarm 2 Exemplare, die für uns frisch aus dem Becken geholt und vor Ort geschlachtet wurden (oder wie man das nennt…). Wir haben wieder unseren Tisch-Räucherofen dabei und die beiden Prachtstücke haben uns wunderbar gemundet.

Montenegro werden wir wohl mehr oder weniger als Transitland nutzen, denn uns reizt jetzt Albanien! Wie es dort weitergeht… ihr werdet es erfahren! Bis dahin!!!

 

Es hat noch nicht ganz gut geklappt mit der Übertragung der Fotos. Aber immerhin sind die Untertitel zu lesen.

P1490901 Altstadt v. TrogirP1490911 röm. Festung Kamerlengo a.d. 15. JhP1490924 Die Kathedrale Sveti Lovro aus dem 13. JahrhundertP1490935 Alltag in der AltstadtP1490916 Blick vom BurgturmP1490936 UNESCO-WeltkulturerbeP1490950 voll aufgeblühte GinstersträucherP1490956 ein SeglerparadiesP1490957 eine Stadt aus der VogelperpesktiveP1490960 kurzer Wanderstopp zur MarienfigurP1490963 wunderschöner Mohn überallP1490973 kurzer Wanderstopp zur MarienfigurP1490987 ein besonderer KirchturmP1500011 NeretvaP1500017 eine alte kleine Steinbrücke über den NeretvaP1500025 Pocitelj, ein Dorf aus Stein mit einer Festung aus dem 14. JhP1500030 Mostar, Touristenspektakel an der Stari Most (16. Jh)P1500036 Mostar, AltstadtP1500054 Mostar, Stari Most, UNESCO seit 2005 (Nach Zerstörung 1993 wieder neu aufgebaut)P1500040 er springt gegen Geld von der 19m hohen Stari MostP1500057 Mostar, AltstadtP1500059 Koski Mehmed-Pasina Dzamija Moschee (1617)P1500071 Koski Mehmed-Pasina Dzamija Moschee (1617), den Turm hab ich bestiegenP1500073 Mostar, AltstadtP1500081 Buna-Quelle, gewaltige Wassermassen strömen talwärtsP1500095 und so sah es aus! Wirklich super!! Und lecker und halalP1500132 gewaltige Wassermassen des kurzen Flusses BunaP1500131 die gesamte Anlage Tekke, Haus der Derwische in BlagajP1500134 Die Höhle, aus der die Buna entspringtP1500097 Blagaj, Zugang zu einer Hausanlage aus dem 16. JhP1500107 wir nehmen einen bosnischen Kaffee (ähnlich wie türkischer)P1500109 dieser junge Mann erklärte in gutem Englisch das kleine MuseumP1500140 uralte GrabsteineP1500169 wir kaufen uns 2 Forellen frisch aus dem Becken, kosten zusammen 3 €P1500186 sie werden sogar geschlachtet und ausgenommen für unsP1500196 Reiner säubert die super frischen ForellenP1500199 2 Prachtexemplare, bereit geräuchert zu werden.P1500219 eine kleine FriedhofkapelleP1500221 Ufer vor unserem Campingplatz in Bijela, M.P1500225 Erdbeer- und Kirschernte!

 

Bei schönstem Wetter die Adriaküste gen Süden – bis Trogir

Wir sind erst wenige Tage unterwegs und haben schon so viel erlebt. Die Fahrt durch die Alpen war leider sehr düster und vor allem nass. Tiefhängende Regenwolken haben uns jede Sicht auf die Gipfel verwehrt. Dieses Mistwetter zog sich hin bis wir das Mittelmeer sehen konnten: wir trauten unseren Augen nicht! Denn mit Verlassen der letzten Bergkette setzte schöneres Wetter ein und wir sahen zum ersten Mal seit Tagen die Sonne!

Und nicht nur das! Auf Anhieb fanden wir ein Autokamp (so heißen hier die Stellplätze für Wohnmobile, ausgestattet mit Strom und Waschgelegenheit) und suchten uns den schönsten Platz aus. Und weil wir fanden, dass wir das Ganze  toll hinbekommen haben, belohnten wir uns mit einem Kalamarisessen in einem gemütlichen kleinen Restaurant. Lecker!

Die nächste Übernachtung unterwegs war nicht vergleichbar. Wir wissen, dass es in Kroatien nicht erlaubt ist, “wild” zu campen. Und nicht nur das! Es ist sogar bei Strafe verboten Privatleute nach einem Stellplatz zu fragen (selbst auf deren Grund und Boden). Nach gefühlt endlos langem Suchen nach einem Autokamp gaben wir auf und steuerten einen Rastplatz auf der Autobahn an und stellten uns ziemlich frech auf eine der Bahnen für LKWs. Die Nacht war entsprechend unruhig! Nicht nur wegen des Lärms der an- und abfahrenden Laster…

Wieder unterwegs bei herrlichstem Wetter genossen wir die Traumkulisse und dachten öfter mal an meinen Cousin Jan und seine Frau Sigrid, die gerne hier in der Gegend segeln! Das muss wunderbar sein – so man nicht seekrank wird.

Noch erwähnenswert ist das mittelalterliche Städtchen Primosten mit seiner Kirche hoch oben auf dem höchstgelegenen Punkt. Hier gibt es das bisher leckerste Eis. Winsen kann einpacken!!!

Heute nun sind wir in Trogir angekommen. Einer recht großen Stadt mit einem Zentrum, das auf die Liste des Weltkulturerbes gesetzt wurde. Aber davon beim nächsten Mal …

und nun, wie gewohnt, ein paar Fotos: Ich sehe gerade, dass nicht alle Fotos geladen wurden und dass die Untertitel nicht lesbar sind. Oh Oh

P1490750P1490756P1490762P1490782P1490794P1490797P1490799P1490807P1490810P1490815P1490823P1490833P1490835P1490837P1490841P1490844P1490849P1490852P1490856P1490857P1490864P1490872P1490884P1490887

Ich fürchte, dass die Untertitel verschwunden sind. Keine Ahnung…

13. Mai und wir sind unterwegs!

 

Was fällt einem ein wenn man hungrig an einer bayrischen Fleischtheke steht? Genau! Leberkäs mit Speckkraut und, weil es nicht so aufwendig sein soll: Kartoffelsalat mit Essig und Öl. Jedenfalls ist es das, was wir soeben hier in Passau auf einem kostenfreien Wohnmobilstellplatz direkt an einem der drei Flüsse, die durch die Stadt fließen (Donau, Inn und Ilz) verzehrt haben. Ganz ehrlich? Der Kartoffelsalat war ein ziemlicher Reinfall und das Sauerkraut schmeckt bei Muttern besser. Aber immerhin hat uns der Leberkäse ganz gut gemundet.

Zu Hause habe ich im Internet gelesen, dass wir (weil über 3,5T schwer) in Österreich unbedingt eine Go-Box an die Frontscheibe kleben müssen. Diese wird in Tankstellen kurz vor der Grenze angeboten und kostet leer 5€. Die sind erst einmal futsch. Dann beträgt die Mindestaufladesumme 75€, von der dann jedes Lesegerät an den Autobahnen und Schnellstraßen Summe X abzieht. Der freundliche Herr an der Tankstelle glaubt zu wissen, dass 75€ für ca. 300km ausreichen. Haben sich die Österreicher nicht gerade über unser Mautsystem in Deutschland aufgeregt??? Wir finden jedenfalls, dass das eine stolze Summe ist für eine Transitstrecke. Vielleicht können wir hier und da auf Landstraßen ausweichen. An der Außengrenze zu Slowenien geben wir das Gerät wieder ab und bekommen das Restguthaben zurück…

Wir fühlen uns sehr heimisch in unserem Mini-Heim. Es scheint jedoch noch ein paar Zentimeter schmaler geworden zu sein. Wir merken es, wenn wir versuchen uns aneinander vorbeizuschieben. Möglicherweise liegt es aber auch an ein paar Pfunden, die wir uns in der letzten Zeit angefuttert haben? Kann nicht sein, glaubt Reiner. Aber es ist schön wieder an Bord zu sein, alle Handgriffe sitzen auf Anhieb und Dank der guten Arbeiten unserer Werkstatt für Wohnmobile funktioniert alles perfekt (Klopf auf Holz) .

Fotos gibt es noch keine, das wird sich beim nächsten Mal aber ändern! Bis dahin!!!

Abfahrt verschoben

Heute ist schon der 4. Mai und eigentlich sollte es morgen losgehen. Unser Gesundheitszustand hat den geplanten Abreisetermin nicht zugelassen, denn auch mich hat der fiese Virus erwischt und nun husten wir beide um die Wette. Sobald wir aber wieder richtig bei Kräften sind wird gepackt!

Der Dicke hat eine “Verschönerungskur” hinter sich: wir haben unsere Landkarte, die unsere Reiseroute 2013-15 zeigte, professionell entfernen lassen. Das hat noch einmal ein bisschen geschmerzt, denn oft blieben die Menschen vor ihr stehen, suchten ihr eigenes Land und staunten über unsere Reiselust. Da gab es immer Anlass genug miteinander  ins Gespräch zu kommen. Während der letzten Reise in den hohen Norden Europas ist die Karte aber so gerissen, dass sie nun kaum noch Auskunft über die Route geben konnte; außerdem wollen wir ja jetzt neue Wege erkunden…

77 0 97 0 111 0 120 0 105 0 97 0 110 0 44 0 32 0 119 0 105 0 114 0 32 0 98 0 101 0 105 0 100 0 101 0 32 0 109 0 105 0 116 0 32 0 51 0 32 0 69 0 105 0 110 0 104 0 101 0 105 0 109 0 105 0 115 0 99 0 104 0 101 0 110 0 0 0

So hat es einmal ausgesehen ! (aufgenommen in China 2015)

Ich hoffe, dass ich in Kürze den genauen Abfahrttermin nennen kann. Bis dahin…

2019 und es geht wieder los

Heute ist der 28. April 2019, vor wenigen Minuten wurden die Visa-Gebühren für Russland bezahlt, unser Wohnmobil (genannt Dicker) ist überholt und hat eine neue TÜV-Plakette bekommen und wird morgen wieder auf dem Hof stehen, bereit bepackt zu werden. Geplante Abreise: 5.5.2019

In diesem Jahr haben wir uns eine Reiseroute ausgesucht, die uns über Kroatien, Montenegro, Albanien, Griechenland, Türkei, Georgien, Armenien und Russland führen wird. Geplante Reisedauer: ca. 6 Monate.

Im August werden wir uns mit meiner Schwester Dorothea (genannt Doro), ihrem Ehemann Hans-Jürgen (genannt Hanni) und ihrem Sohn Lars Marian mit seiner frisch angetrauten Ehefrau Daria in Kazan (Russland) treffen und 2-3 Wochen zusammen reisen bzw. Darias Familie kennenlernen.

So ist der Plan! Bisher kämpft Reiner noch mit einer hartnäckigen Erkältung … und bevor diese nicht vollständig besiegt ist …

Ich melde mich in Kürze wieder mit hoffentlich genauen Angaben.

Schwedens Norden und Reise gen Süden entlang der Ostseeküste

Dass Schweden sehr beeindruckend ist, war uns bewusst; nun haben wir es von einer weiteren, wunderschönen Seite kennengelernt: von Finnland kommend sind wir entlang der Ostseeküste (mit all seinen vorgelagerten Inseln –  von mini bis beachtlich) in Richtung Stockholm gefahren.

Das Blödeste zuerst: unterwegs ist uns mal wieder eine Felge gebrochen, so dass wir mit dem Ersatzreifen fahren müssen, immer in der Hoffnung, es bis nach Hause zu schaffen. Die große “Garage” verführt einfach dazu, zu viele Dinge mitzunehmen, die das Gewicht übermäßig erhöhen und auf Dauer die Felgen zu sehr belasten. Wir müssen einfach lernen, nicht für ALLE  FÄLLE ausgerüstet zu sein!

Es gab viel blauen Himmel und je weiter wir nach Süden kamen um so wärmer wurde es. Die Straßen sind in sehr gutem Zustand und alle paar Kilometer befinden sich Rastplätze, meist an einem See mit schönem Blick.

In Stockholm besuchten wir 3 Tage lang Freunde von Freunden: Uli und Uwe. Nette Leute, die uns sehr gastfreundlich empfingen und bewirteten. Uli verwöhnte uns kulinarisch mit Rehgulasch und Pfifferlingspie, während Uwe frischen Lachs räucherte (auf Erlenschnitzeln, gewürzt mit Wacholder und Zucker). Er nahm sich auch die Zeit uns die Stockholmer Innenstadt zu zeigen. Gerade rechtzeitig zur Wachablösung erreichten wir das Königliche Schloss, das Königliche Orchester der Königlichen Marine spielte auf und wir harrten aus trotz stechender Sonne und spätsommerlicher Stadthitze. In der Nähe des Reichstaggebäudes sollte eigentlich ein großes, zum Teil unterirdisch gelegenes Parkhaus entstehen. Während der Baggerarbeiten hat man aber die Überreste einer sehr alten Stadt gefunden, weshalb statt des Wagenparks ein eindrucksvolles Museum entstanden ist.

Normalerweise besuchen Rehe und Füchse in den Dämmerungszeiten Ulis üppigen Blumengarten, aber so sehr wir auch hofften und Ausschau hielten, ein Schnappschuss war uns nicht vergönnt… Mit den Worten: wir wären angenehme Gäste, die keine Kümmernisse bereiteten (Uwe spricht sehr gutes Deutsch und auch Uli war leicht zu verstehen) wurden wir verabschiedet und mit vielen guten Wünschen auf  unsere Weiterreise geschickt.

Es lockte uns die Insel Öland, nicht zuletzt wegen des immer noch herrlichen Wetters und des strahlenden Blaus des Himmels. Es stellte sich schnell heraus, dass diese Entscheidung richtig war! Es gab viel zu entdecken: die Königliche Sommerresidenz Solliden, die beiden “Spitzen” mit den jeweilen Leuchttürmen “Langer Erik” und “Langer Jan”, viele Burgruinen,  heute zum Teil als Museum oder Theater genutzt, niedliche kleine Häuschen oder wunderbare Landschaften. Und immer in der Nähe die Ostsee! Die ganze Insel ist 140 km lang und nur 16 km breit, meist ist auf irgendeiner Seite das Meer zu sehen.

Und nun stehen wir in Ystad, dem Wirkungs- und Arbeitsfeld von Mankells Wallander, haben gestern Abend mit echt schwedischer Pizza Abschied von Schweden und auch von dieser 8-wöchigen Reise genommen. Wir freuen uns jetzt auf zu Hause, aber die nächste Reise kommt bestimmt!!!

Und nun, wie gewohnt, ein paar Fotos:

Mutter und Kind aus der Familie ElchNaturreservat:  Indalsalvens DeltaFliegenpilz, Naturreservat:  Indalsalvens DeltaNaturreservat:  Indalsalvens Deltaunser Steinpilzgelage!Übernachtung am Hafen von HudiksvallÜbernachtung am Hafen von HudiksvallBilderbuch-RastplatzBilderbuch-Raststätte in SchwedenUwe zeigt uns StockholmUwe zeigt uns StockholmWachablösung vor dem Stockholmer SchlossUwe zeigt uns Stockholmköniglicher Wachposten vor dem Schloss, Stockholmer InnenstadtStockholmer InnenstadtStockholmer Innenstadtehemaliges Segelschulschiff, jetzt Restaurant, Stockholmer Innenstadthier gab es leckeren gebratenen Hering, Stockholmer InnenstadtUwe bereitet den Räucherofen vor. Es gibt frischen Lachs...Festmahl in Ulis Küche: frisch geräucherter Lachs mit Salat und Pellkartoffelnauf der Insel Ölandauf der Insel ÖlandSommerschloss Solliden, Ölandgleiche Haltung! , Sommerschloss Solliden, ÖlandSchloss Borgholm, ÖlandÖlands Nordspitze: der "Lange Erik" 1844/45Ölands NordspitzeÖlands Südspitze, "Langer Jan"Familie Schaf, Südspitze ÖlandsVogelschutzgebiet Naturum Ottenby (Gegenlicht)Eketorps Borg, ÖlandFluchtburg aus dem Eisenzeitalter, Eketorps Borg, Ölandviele Häuser in Schweden sind gelb!Öland im VorbeifahrenÖland im VorbeifahrenLachsfluss und Ort MörrumInfo Lachs und ForelleWallanders Wirkungsfeld, YstadWallanders Wirkungsfeld, YstadPferd mit Fischschwanz, Wasserspiel in Ystad

Nord-Norwegen und das finnische Lappland

Wir stehen auf einem Parkplatz am Ostseehafen von Kemi/Finnland. Zum Glück haben wir Zeit und wir können umdenken, neu planen und uns anders entscheiden! So geschehen heute Morgen: nach dem Frühstück beschrieben wir ein großes Blatt Papier mit unseren nächsten Zielen und eventuellen Ankunftsdaten. Nicht unwichtig, da wir einige Besuche auf unserer Rückroute eingebaut haben und es für alle Teile angenehm ist, ein wenig im Voraus planen zu können.

Seit Russland sind wir internetlos und auf free-wifi angewiesen, was sich bisher nicht immer als ganz leicht erwies. Um so größer heute die Überraschung und Freude, als wir am Hafen Schilder mit “freie Internet-Zone” lasen und deshalb nun schon seit geraumer Zeit hier an unseren PCs arbeiten und werden die geplanten Daten um einen Tag nach hinten verschieben!

 

Unser Grenzübertritt von Russland nach Norwegen war problemlos. Es gab wenig Verkehr und entsprechend kurz waren die Wartezeiten. Jedenfalls auf russischer Seite. Die Norweger wollten weniger die Papiere sehen als den an Bord befindlichen Alkohol kontrollieren.  Zugegeben: wir haben uns wenig Gedanken über Alkohol  gemacht, auch nicht die Dosen Bier oder die Flaschen Wein gezählt, dafür aber alle Kartoffeln verarbeitet, Möhrensuppen gekocht und den Käse/Joghurt hätten wir im Bett verstecken wollen,  hätten wir das nicht vergessen. Aber all diese Bemühungen wurden nicht honoriert, dafür krochen Reiner und der Zöllner unterm Tisch und auf dem Boden herum, durchsuchten alle Luken und Versteckmöglichkeiten nach eventueller Schmuggelware ab. Ein bisschen über dem Erlaubten hatten wir an Bord, aber es war klar, dass es sich um Eigenbedarf handelte und nicht um Ware, die zum Verkauf mitgeführt wurde, also hat der nette Mensch beide Augen zugedrückt und uns ziehen lassen.

Die ersten Eindrücke von der norwegischen Landschaft waren großartig! Und ab jetzt mussten wir die Augen auf der Straße offenhalten, denn Herden von Rentieren (aber auch Einzeltiere) wechselten ständig die Straßenseite , ziemlich sorglos! Auffallend häufig sind Albinos zu sehen! Und deren Fell scheint kräftiger und dicker zu sein als das der braunen: gestern habe ich in einem Souvenirshop (in dem ich nichts gekauft habe) die beiden Felle befühlt und verglichen, weil ich mich über die Preisdifferenz wunderte.

Über Kirkenes fuhren wir die Küstenstraße nach Nord-Osten hoch in Richtung Vardö. Dort erzählte uns ein Museumsangestellter, dass die Straße nach Hamningberg sehr interessant sei und wir die ca. 60km lange Strecke unbedingt fahren sollten. Er hatte Recht! Spitze Felsen rechts und links, kleine Häuschen, auf einem halbwegs geraden Platz gebaut und am Ende der Sackgasse der ehemalige Fischerort Hamningberg. Im 2. Weltkrieg waren hier deutsche Flakgeschütze stationiert, die Überreste davon als stumme Zeugen bei einer Wanderung durch die felsige Hügelwelt noch gut sichtbar. Heute wird das Örtchen noch als Feriendomizil genutzt.

Erfreulicherweise hat sich Norwegen sehr auf Wohnmobilfahrer eingestellt! Nicht nur, dass es überall Campingplätze gibt, es finden sich auch an den Straßen ausreichend Parkplätze mit Toiletten (Plumsklos), die ein kostenfreies Stehen ermöglichen. Da wir weitestgehend autark sind und nur hin und wieder Wasser tanken müssen, haben wir diese Möglichkeiten beinahe ausschließlich genutzt.

In der hübschen Stadt Vardö, auf einer Insel gelegen und nur durch einen fast 3km langen und 88m tiefen Tunnel zu erreichen, haben wir uns ein paar Tage aufgehalten. Sind herumgebummelt, haben den Möwen beim turteln zugesehen, uns die alte Festung angeschaut (in der sich auch wieder die Waffen-SS eingenistet hatte) oder der “Nordkapp” von den Hurtigrouten hinterher gewinkt. Interessant: es gab hier im 17. Jahrhundert eine enorme Hexenverfolgung mit Verbrennungen, Folterungen bis zum Tode oder Tod durch Erhängen. Allein in dieser menschenarmen Gegend wurden über einen Zeitraum von ungefähr 100 Jahren über 90 Menschen getötet. Meistens Frauen, die durch Heilkunde auffielen, aber auch Männer aus der Gruppe der Samen, die für ihr Volk als Medizinmänner tätig waren. Vor ein paar Jahren wurde ein Denkmal errichtet, dass alle Namen der Opfer nennt und ein ewiges Feuer spiegelt sich in vielen Glasflächen wieder.

Nur einkaufen war schwierig: wir hatten noch keine norwegischen Kronen und wollten dieses kleine Problem auf einer Bank lösen, indem wir Euros zum Tausch geben wollten. Große, verständnislose Augen beim Kassenmensch: Geld tausche man in Norwegen schon lange nicht mehr um, dazu müsse man nach Oslo zur Landeszentralbank… ähnlich wie bei uns, wenn wir noch alte D-Mark umtauschen wollen. Meine EC-Karte hat der Automat gleich geschluckt (warum? keine Ahnung! Gültig bis 2019, Pin sollte auch richtig gewesen sein) und Reiner hat seine Pin-Nummer gleich ganz vergessen, blieb also nur die Kreditkarte. Wie gut, dass man immer noch eine Möglichkeit hat…

Je weiter wir jetzt nach Süden kommen; gestern haben wir wieder einmal den Polarzirkel überfahren, um so wärmer wird es wieder. Hoch oben an der Barentssee hatten wir nicht mehr als 8°C , auf den finnischen Fjellhügeln wehte dazu noch ein kalter Wind und hier an der Ostsee sind es schon wieder 16° und die Sonne zeigt sich hin und wieder. Zwischen Norwegen und Finnland gibt es die Grenze nur noch auf dem Papier wie es schien. Ein paar verlassene Holzhütten rechts und links und die Hinweistafeln, dass wir uns jetzt auf finnischem Gebiet befinden waren alles. Für uns jetzt wieder einfach: es wird mit Euros bezahlt. Nur vergleichen sollte man nicht, denn die Lebenshaltungskosten sind hier um einiges höher als bei uns. Wie schade, dass das mitgebrachte Bier schon alle ist …

Je weiter wir nach Süden kommen, um so eintöniger wird das Landschaftsbild: kilometerlang Kiefernwäldchen auf beiden Seiten, die einen Durchblick auf eventuell  dahinterliegende Seen nur schwer zulassen, die Gefahr von Rentierherden gerammt zu werden lässt ebenfalls nach, dafür sehen wir jetzt häufiger die Achtungsschilder, die vor Elchen warnen. Bisher hat sich aber noch kein solch ein Großwild meiner Kamera gestellt.

Nun wird Reiner langsam hungrig und ich werde aufhören zu berichten. Aber nicht ohne ein paar Fotos anzuhängen:

(Ein kleiner Reisetipp für die Lachsangler: Mitte Juni bis Anfang Juli ziehen hier in den Flüssen die Lachse, es gibt diverse Veranstaltungen rund um den Lachs und sowohl im als auch am Wasser muss der „Bär“ los sein)

kurz hinter der russisch/norwegischen GrenzeLachsfluß in Neiden, ca. 60km hinter Kirkenesauf dem Weg von Kirkenes nach VardöFischzucht auf dem Weg von Kirkenes nach Vardöauf dem Weg von Kirkenes nach Vardöso kann man auch zum Ausdruck bringen, wofür sein Herz schlägt!Mächtiges Rentier aus einer ganzen Herde, auf dem Weg von Kirkenes nach Vardöes wird immer nebeliger und nasser! Auf dem Weg von Kirkenes nach Vardöatemraubende Landschaft bis HamningbergStraße im Nebel, zwischen Vardö und HamningbergNebelberge, zwischen Vardö und HamningbergNebelberge, zwischen Vardö und HamningbergKlettertour in HamningbergÜberreste dt. Flakstellungen, Klettertour in HamningbergÜberreste dt. Flakstellungen, Klettertour in HamningbergKlettertour auf Schafspfaden in HamningbergHamningbergalte Häuser im Fischerdörfchen HamningbergSchroffe Felsen zwischen Hamningberg und Vardözwischen Hamningberg und VardöTunneleinfahrt zur Insel VardöDenkmal für die Opfer der Hexenverbrennungen im 17. Jh. (ca. 90 Frauen und Männer)die Festung Vardöhus in VardöVardöDie Nordkapp von der Hurtigrouten-Linie zu Besuch in VardöSeeschwalbe mit kleinem Fischdie kleinen Fische knabbern ab einer Qualle herum, das Wasser im Hafenbecken von Vardö ist so klar wie in einem Aquarium2 Turtelmöwenwunderhübsche kleine Blüte, nicht größer als mein Daumennagelein Ren am Parkplatz, ganz nah am Autoleere Campingplätze am Inarisee/Finnland. Die Saison ist Mitte August schon vorbeiim Lemmenjöki NP, Nordfinnlandwir finden Unmengen Birkenpilze und bereiten uns ein vorzügliches MahlBartflechten, Nahrung der Rentiere im Winterauf dem 440m hohen Kaunispää, im Winter Skigebietauf dem 440m hohen Kaunispää mit AussichtsplattformGlasiglus, die im Winter zum Eishotel werdenEhemalige Goldsucherstadt, jetzt Touristenspektakel, Tankavaarameine Lieblingshaltung beim Steinchen suchenMittagspause an diesem unglaublich blauen SeeKemi-Ajos, Flügel für Windkrafträder werden verschifftEisbrecher Sampo in Ajos/Finnlandeine finnische Windschutzhütte, in der Feuerholz bereit liegt und man sich aufwärmen kannkleiner Fischereihafen an der finnischen Ostsee in Ajos...und der Weihnachtsmann lauert überall... Kleinstadt Kemi, Finnland  tschüüüüß!

Wir verlassen Russland und werden morgen nach Kirkenes/Norwegen reisen

Oh weh, mit Zahnschmerzen lässt es sich so schlecht denken. Aber heute ist der letzte Abend in Russland und ich möchte dieses Kapitel gern abschließen, zumal ich noch viel Speicherplatz auf meiner Simcard habe und ohne Probleme die Fotos anhängen und senden kann.

Ich versprach im letzten Blogbeitrag von den Solowezki-Inseln zu erzählen, die wir von Rabocheostrovsk nach einer 2-stündigen Bootstour besucht haben. Genaugenommen ist es nur eine Insel, die wir per Fahrrad erkundeten, es ist die mit der bedeutendsten Geschichte: 1426 (!) erreichten zwei Mönche auf der Suche nach einem abgelegenen Ort der Stille diese Inselgruppe und gründeten ein Kloster. In den folgenden Jahrhunderten gewann das Kloster immer mehr an Bedeutung bis es zu einem der wichtigsten Zentren des russisch-orthodoxen Glaubens im Norden des Landes wurde. Nach der Oktoberrevolution und dem anschließenden Bürgerkrieg  wurde es Anfang der 20-iger Jahre in das landesweit erste Arbeitslager umfunktioniert und wurde so zum Prototyp der Gulags. Zwischen 20 000 und 70 000 Häftlinge gleichzeitig, die Angaben schwanken, waren auf dem Archipel interniert. 30 000 bis 40 000 Häftlinge sollen bis zur Auflösung des Lagers 1939 durch Erschießungen, Folter und Epidemien ihr Leben auf Solowezki gelassen haben – darunter nicht wenige Spitzen der vorrevolutionären Gesellschaft, Dichter, Denker, Revolutionäre, die sich auf den Inseln Seite an Seite mit gewöhnlichen Kriminellen wiederfanden. Eine Untersuchungskommission aus Moskau stellt Ende der Zwanziger fest, dass auf Solowezki nackte und gefesselte Gefangene bei klirrender Winterkälte in Glockentürmen stünden, dass verdorbenes Essen und sadistische Befehle ausgegeben würden: Häftlinge müssten auf das Kommando „Delfin“ hin in eiskaltes Wasser springen, oder sich nackt Mückenschwärmen aussetzen. „Lasst uns mit eiserner Hand die Menschheit ihrem Glück entgegentreiben“, stand damals über dem Haupt-Eingangstor des alten Klosters geschrieben. Und auf einem anderen Tor war zu lesen: „Freiheit durch Arbeit“. In Auschwitz wurde daraus später „Arbeit macht frei“ (Zitat aus einem Spiegelbericht). Von 1939 bis 1947 diente das Kloster von Solowezki als Truppenübungspunkt der sowjetischen Nordflotte. Von 1942 bis 1945 – befand sich hier eine Marineschule, in der in aller Eile Kadetten für die Seefronten des „Großen Vaterländischen Krieges“ ausgebildet wurden. Damit wurde das Archipel zum Sperrgebiet, die Spuren des Lagers wurden nur notdürftig beseitigt. Heute ist das Solowezki-Kloster ein historisches und architektonisches Museum. Es war eine der ersten russischen Stätten, die in das Weltkulturerbe der UNESCO aufgenommen wurden. Seit 1991 ist im Kloster wieder eine kleine Mönchbruderschaft heimisch (Zitat Wikipedia).

Wir hatten von den Labyrinthen gehört, die sich ebenfalls auf den Inseln befinden sollen und davon, dass die Entfernungen zu Fuß trotz der 10 Stunden Aufenthalt auf der Insel nicht zu bewältigen sind. Deswegen mieteten wir uns sofort nach der Ankunft 2 Räder (naja, Gestelle mit 2 Reifen und einem Sattel. Keine Schutzbleche, keine Lichtanlagen, keine Klingeln und schon gar keine Gangschaltungen – schmerzlich vermisst), mit denen wir stolze 12-15km hügelauf und hügelab strampelten. Mittagspause in dem einzigen Inselrestaurant: Heilbutt mit heimischen Pilzen und Käse überbacken (was man alles überbacken kann…) und Pfannkuchen mit Preiselbeeren. Später, als wir beim besten Willen nicht mehr auf den Sätteln sitzen konnten, besichtigten wir das oben beschriebene Kloster, bzw. den Teil davon, der gerade nicht renoviert wird und freigegeben ist. Mit der gleichen, völlig überladenen Fähre aus alten Sowjettagen kamen wir um 22.00 Uhr wieder in unserem “Heimathafen” an.

Nun verließen wir Kem und seine Umgebung und damit auch das Weiße Meer um in Richtung Murmansk und Kola-Halbinsel zu fahren. Unterwegs tankten wir aus einer angezapften Quelle frisches Wasser, wie es alle anderen Vorbeifahrenden auch tun. Ein Straßenschild mit einem abgebildeten Wasserhahn macht auf dieses natürliche Quelle aufmerksam und wir müssen sagen, es schmeckt vorzüglich.

Auf der Kola-Halbinsel mit ihren wilden Bächen, in denen Lachse im Juli springen, den Wäldern voller Beeren aber auch den Erzen und verwüsteten Gegenden mit Abraumhalden, besuchten wir die Stadt Lovosero. Hier in den umliegenden Bergen soll es einen sehr seltenen Stein, den Tugtupid geben, ein Kristall, der seine Farben bei Tageslicht ändern oder verstärken kann. Ich habe einen einheimischen Mann befragt, der aber noch nie etwas davon gehört hat (haben will?), so dass ich unverrichteter Dinge wieder von dannen ziehen musste. In diesem Gebiet leben ca. 3000  Samen, neben anderen Minderheiten, denen es hier in Russland nicht so gut ergeht wie ihren Brüdern in Finnland und Norwegen. Ihnen wurden große Teile der Tundra, der Wälder und der Fischereirechte von reichen Leuten aus Moskau abgekauft, bis ihnen nur der Alkohol übrigblieb. Ein trauriges Bild! Im 2. Weltkrieg wurden Samen und andere indigene Völker verfolgt, verschleppt, in Arbeitslager gesteckt und ermordet. Bis heute haben sie kein Recht darauf, ihr Leben mit Jagen, Sammeln und Fischen zu führen, anders als die Samen in den Nachbarländern.

Dann erreichten wir Murmansk. Wir wurden  nicht sehr freundlich empfangen: just in dem Augenblick als wir den 35m hohen Soldaten (Verteidiger der sowjetischen Arktis während des Großen Vaterländischen Krieges und liebevoll Alyosha genannt) auf einem der Hügel der Stadt fotografieren wollten blitzte und donnerte es und es begann in Strömen zu gießen. Und ganz vergeblich haben wir Stunden damit zugebracht, den atombetriebenen Eisbrecher “Lenin” im Hafenbecken zu finden. Er war für nicht auffindbar…

Unterwegs vermissten wir Rentiere, Elche, Bären oder Seeadler (Fisch-?). Das einzige was überhaupt, wenn auch sehr selten, zu sehen war, waren einige Krähen. Früh morgens wachten wir ohne Vogelgezwitscher auf, was nach einigem Nachdenken auch verständlich wurde:  in der Tundra gibt es keine Samenstände und sicher auch keine Regenwürmer. Dafür einen sehr langen Winter ohne Licht. Welcher Vogel sollte das freiwillig wollen?

Ca. 100 km vor der norwegischen Grenze wurden wir von 2 Soldaten gestoppt. Der Ranghöhere (ohne Englischkenntnisse) verschwand für eine Ewigkeit in sein Kabäuschen und malte unsere Dokumente ab, während der Rangniedere ganz ordentliches Englisch sprach und sich ausführlich für unsere Weltkarte und Reiseroute interessierte. Nachdem wir fahren durften wurde uns auch klar, warum diese Personenkontrolle stattfand: beinahe das ganze Gebiet bis zur Grenze ist Truppenübungsplatz und die Straße beidseitig mit Kasernen bebaut.

Jetzt stehen wir in Nickel, der Name steht für das, was abgebaut wird. Eine trostlose Stadt ganz im Norden der Republik. Hier werden wir auf einem Schotterplatz übernachten und morgen früh zur Grenze nach Norwegen fahren. Unsere restlichen Rubel haben wir in Diesel umgesetzt, das Tanken war in Russland eine Freude: ca. 0,50€/ Liter! In Norwegen und den anderen skandinavischen Ländern erwarten uns dann ganz andere Preise…

Hier also die letzten Bilder aus Russland! Später folgen Fotos aus Skandinavien.

Solowezki Kloster auf gleichnamiger Insel, erste Besiedelung durch Mönche im 13. Jh.unsere Radtour auf der Solowezki InselHäuschen mit hübsch angelegtem Garten und ErdkellerSolowezki Kloster auf gleichnamiger Insel, erste Besiedelung durch Mönche im 13. Jh.Weißmeerküste mit hungriger MöweLabyrinth auf der Insel SolowezkiWeißmeerküste, Insel Solowezki, 2 ganz MutigePicknick am See auf der Insel SolowezkiVorlage für die Erdhäuser aus "Herrn der Ringe"Insel Solowezki mit Eingang zum KlosterHafeneinfahrt Insel SolowezkiTeile des Klosters sind schon sehr ansprechend renoviertBlick auf Kemeine ewig sprudelnde Quelle an der Hauptstraßeerst mal nachsehen, wieviel Geld im Portmonee ist, dann Arbeitshandschuhe kaufen.  Markt in Lowosero/KolaKein Wunder, dass diese Weine hier begehrt sind bei den Etiketteneinzige Tankstelle weit und breit, Lowoseroeiner der unzähligen Flüsse auf der Halbinsel KolaKaffeepause mit WeitblickMurmanskSoldatenstatue, Verteidiger der sowjetischen Arktis während des Großen Vaterländischen Krieges, von den Russen liebevoll Alyosha genannt. 35,5m hoch + 7m SockelMurmanskKohleverladung in Murmanskauf dem Weg zur norw. Grenze passieren wir zahlreiche militärische Gedenkstättenalte, zerschossene Stahlhelme als stumme Zeugen schrecklicher Geschehnisse1941-44, auf dem Weg zur norw. Grenze passieren wir zahlreiche militärische Gedenkstättenauf dem Weg zur norw. Grenze passieren wir zahlreiche militärische GedenkstättenHochland bei Nickel, RUNickel, eine russische Stadt am Rande des RiesenreichesIn Nickel ist alles trostloseine der in Russland typischen Garagenvorstädte (sind nicht immer so hübsch bunt)

2290 km von St. Petersburg nach Kem (Rabocheostrovsk) am Weißen Meer

D.h. so ganz ist diese Angabe nicht aktuell, denn im letzten Blog hatten wir St. Petersburg schon verlassen und waren am Ladogasee angekommen. Übrigens Europas größtem See! Durch diverse Zu- und Abflüsse (Newa , Swir und Nördliche Dwina) sowie einigen Kanälen besteht eine schiffbare Verbindung vom Weißen Meer bis hin zum Kaspischen und Schwarzen Meer und auch zur Ostsee.

Nachdem wir Sortavala wieder verlassen hatten –  eine Bootsfahrt zur Klosterinsel Walaam haben wir uns geschenkt, wir sahen so  unendlich viele Klöster und Kirchen in letzter Zeit und es werden sicher noch mehr werden – fuhren wir weiter Richtung Onegasee. Unser Ziel: Petrosawodsk (zu dt. : Peters Fabrik).  Eine recht moderne Universitätsstadt unweit der finnischen Grenze, in der Peter der Große 1703 eine Waffenfabrik bauen ließ, um RU für den Krieg gegen die Schweden zu rüsten. Mit einem Tragflächenboot “flogen” wir über das Wasser um uns die atemberaubende Insel Kichi (oder Kischi) anzusehen. Wir hatten einen ganzen Tag Zeit das 1951 eröffnete “Staatliche Freilichtmuseum für Holzarchitektur” zu bewundern, das Wahrzeichen der Insel ist sicherlich die Verklärungskirche mit ihren 22 Kuppeln aus Holzschindeln. Seit 1990 gehört die ganze Insel zum Weltkulturerbe. Es war ein sonniger Tag, die Wanderwege zwischen den einzelnen Holzbauten sind gut zu belaufen und Abwechslung brachten Darstellungen früherer Lebens- und Arbeitsweisen wie Weben, Sticken, Herstellung von Holzschindeln aus Espenholz (Zitterpappel) oder auch das Ernten bzw. Einbringen von Getreidegarben. Wir hatten am Vortag Rolf aus Meppen kennengelernt, abends ein Bierchen zusammen getrunken und den Tag auf Kichi gemeinsam verbracht. Als unsere Füße nach all den Bauerhäusern, Mühlen, Kirchen und Glockentürmen erlahmten bot sich ein geschäftstüchtiger Russe an, uns ein Stück des Weges per Kutsche  abzunehmen, 30 min für 300 Rubel (ca. 4€). Eine willkommene Pause, die wir gerne annahmen.

Abends gleicher Weg, gleiches Boot zurück zum Heimathafen Petrosawodsk.

Ab jetzt: unterwegs, unterwegs, unterwegs. Gehalten und geschlafen wurde an Rastplätzen an der M18, die Hauptmagistrale nach Murmansk. Kurze Abstecher in nahegelegene Dörfer oder auf unserer Karte markierten Sehenswürdigkeiten (z.B. Kiwatsch,  2. größter Wasserfall Europas nach dem Rheinfall) waren meist kein Problem, Abbiegen auf Waldwegen dagegen schon: Morast und schlammiger Boden machen das Befahren unmöglich. Schade, denn die Region bestehend aus dichten, unberührten Wäldern und tausenden Seen reizt zu Erkundungsfahrten querfeldein. Meine größte Angst, von Heerscharen von Mücken und anderem Stechgetier heimgesucht zu werden, hat sich bis jetzt nicht bewahrheitet. Ein paar Stiche hin und wieder aber keine nennenswerte Plage! Ich will hoffen, dass es dabei bleibt!

Mit der Ankunft in der kleinen Stadt  Belomorsk erreichten wir das Weiße Meer. Ganz in der Nähe darf man  über Felsen laufen, auf denen Petroglyphen aus dem 3. bzw. 1. Jahrtausend v. Chr. zu sehen sind. Die etwa 470 Menschen, Tiere und Jagdszenen darstellenden Felszeichnungen werden nicht durch Absperrungen geschützt, was uns einigermaßen erstaunte.

Unsere erste Reifenpanne haben wir auch hinter uns: eine Schraube hatte sich in den Mantel gedrückt und ließ langsam aber sicher die Luft entweichen. In einem Örtchen an der Hauptstraße fanden wir relativ schnell einen Reparaturladen, der uns den Reifen per Pfriem zustopfte. Sind gespannt, wie lange das hält. Jeweils eine der 5 Radmuttern ist eine Spezialanfertigung, die nur mit einem speziellen Aufsatz gelöst werden kann. Der Monteur meinte es gut und zog die Muttern kräftig an, wobei genau dieser Aufsatz zerbrach. Oh weh! Wie sollten wir nun im Falle einer erneuten Panne die Reifen abbauen können? Alle Versuche, die diebstahlsicheren Muttern mit Zangen und allerlei Werkzeug zu lösen, misslangen, bis Reiner die erlösende Idee hatte: mit einer Flex zwei Seiten der runden Muttern abschneiden um so Haltefläche für die Zange zu bekommen. Und genau so gelang es auch. Jetzt können wir wenigstens alle Reifen im Notfall abbauen (andere natürlich auch, grrr).

Jetzt warten wir seit ein paar Tagen in Radocheostrovsk (diesen Namen muss ich jedes Mal nachlesen, ich kann mir diese  Zusammenstellung von Buchstaben einfach nicht merken) auf den 6.8.! Dann nämlich haben wir Tickets für die Bootsfahrt auf die Solowezki Inseln bekommen. Eine schwierige Angelegenheit! Busse aus allen Teilen des Landes, selbst aus der Ukraine und den benachbarten skandinavischen Ländern kutschieren die Touristen zu Hunderten Tag für Tag in diesen  Ort mit dem viel zu kleinen Parkplatz, und nur 2 Boote bringen mehrmals täglich die Menschenmassen auf die Insel. Wir vertreiben uns die Wartezeit mit Wanderungen an der herrlichen Felsküste. Auf einem dieser Spaziergänge überraschte uns ein junger Mann mit einem kleinen Eimerchen voller Walderdbeeren. In gutem englisch betonte er, es sei ein Geschenk! Das aus Reiners Hemdtasche gezückte Geld wies er ab: just a present! Die Tage sind noch recht lang, Sonnenuntergang ist gegen 21.30 Uhr wobei das Abendrot noch Stunden später zu sehen ist. Richtig dunkel wird es noch immer nicht, denn ab 2.30 Uhr leuchtet der Himmel schon wieder in den kräftigsten Farben bis zum eigentlichen Sonnenaufgang. Und was es mit der Solowezki-Insel auf sich hat, erzähle ich beim nächsten Mal…..

Bis dahin, wie immer, ein paar Bilder, dieses Mal viiiiel Natur!

manchmal stellt sich uns die Landschaft auch ganz lieblich darKareliens Süden, auf dem Weg zum Onegaseekleine Holzkirche auf einem Hügelunterwegs zum Onegaseeüberall begegnet uns die Farbe "blau"Heuernte, im Hintergrund die berühmte Christi Verklärungskirchekeine echten Mönche, wollten CDs verkaufen, Museumsinsel KishiMuseumsinsel Kishi, Bauernhaus innen, Stoffe nach alten karelischen MusternMuseumsinsel Kishi, Handarbeiten nach alten VorlagenMuseumsinsel Kishi, traditionelle russisch-karelische Stickmuster, Vorder- und Rückseite gleich!Holzschindeln, auf tradiotionelle Art hergestellt, Museumsinsel KishiDer Onegasee hat Zugang zum Weißen Meer und bis zum Kaspischen Meer, Flußkreuzfahrten lohnen sich alsoländliche Idylle auf der Museumsinsel KishiHeuernte, Museumsinsel KishiNachfahren der Hobbits?am Kiwatsch Wasserfallkurze Fotopause (in der Gegend von Belomorsk)ein zahmer Wildfuchs wird von der Hausherrin gefüttertman tut gut daran, das Brückengeländer festzuhalten...Ankunft am Weißen MeerPetroglyphen in BelomorskPetroglyphen in Belomorskunser Übernachtungsplatz in Rabocheostrovsk bei Kem am Weißen MeerRabocheostrovsk bei Kem am Weißen MeerRabocheostrovsk bei Kem am Weißen MeerRabocheostrovsk bei Kem am Weißen MeerRabocheostrovsk bei Kem am Weißen MeerRabocheostrovsk bei Kem am Weißen MeerÜberreste einer Kirche in Rabocheostrovsk bei Kem am Weißen MeerBlick aus dem Fensterloch, Rabocheostrovsk bei Kem am Weißen Meericke mit geklauten Pflanzen, Rabocheostrovsk bei Kem am Weißen Meerkleiner Ort am Weißen Meer, südl. der Halbinsel Kola, nördl. des PolarkreisesDorfstraße in einem kl. Fischerdorf am Weißen MeerFischer fährt raus, kl. Dorf am Weißen Meerbildschöne Taubeblaues Weißes Meer, 20.00 Uhr aufgenommenBlaues Weißes Meer, 22.00 Uhr aufgenommenOranges Weißes Meer, 23.00 Uhr aufgenommenDunkles Weißes Meer um Mitternachtmorgens um 3 die erste Farbexplosion (Sonnenuntergang und Aufgang fast an der gleichen Stelle)bisschen Husky, bisschen Wolf?eine ganz natürliche Straßemit alten Plastikflaschen kann man seinen Zaun auch schützen...und über der Kirche der RegenbogenSpaziergang an der Küste des Weißen Meeres bei RabocheostrovskRabocheostrovsk

Narva (Grenzübergang zu Iwangorod) und St. Petersburg

 

Es sind noch nicht ganz 14 Tage vergangen, dass ich den letzten Blogbeitrag geschrieben habe.  Da wir aber nicht 2,5 Jahre unterwegs sein werden, sondern nur ein paar Wochen und mein Gedächtnis auch nicht besser wird, erlaube ich mir schon heute unsere Erlebnisse aufzuschreiben.

Stellt euch einmal vor, ihr seid der festen Meinung, dass an einem bestimmten Datum etwas geschehen soll. Z.B. ein Grenzübergang. Tagelang richtet sich alles nach diesem fixen Tag aus: frische Lebensmittel werden nicht mehr nachgekauft (weil sie nicht mit über die Grenze genommen werden dürfen),  der Wagen gewaschen und geputzt (weil man nicht mit einem dreckigen Fahrzeug in ein anderes Land fährt…) und alle Papiere gesichtet und geordnet (damit man am Kontrollpunkt alles parat hat). Und dann schaut man überflüssigerweise noch einmal (zum 100. Mal) auf das Visum und stellt fest, dass man das Einreisedatum mit dem Ausreisedatum verwechselt hat: 17. und 19. Die Reihenfolge ist falsch! Es muss heißen: 19. und 17. So geschehen in Lettland am 16. Juli. Wir standen schon in Narwa, schön dicht am Kontrollpunkt, damit wir am nächsten Morgen schön früh da sein würden… und konnten uns nach einem neuen Stellplatz für die nächsten 2 Übernachtungen umsehen, denn ganz sicher hätten die russischen Grenzbeamten diesen Irrtum sofort bemerkt!

So hatten wir also Zeit und besuchten das einzige tätige russisch orthodoxe Nonnenkloster außerhalb Russlands: Kuremäe. Uns erwartete ein weiträumiges Gelände auf einem Hügel mit diversen Kirchen, Wohn- und Verwaltungsgebäuden, Andenkenlädchen und sehr geschäftigem Treiben. Es war Sonntag und wir sahen viele Russen ( im Norden Estlands besteht die Bevölkerung zu 85% aus Russen) mit hübsch herausgeputzten Kindern (weiße Schleifen oder Rosetten im ordentlich geflochtenen Haar), die aus einer Kirche herauskamen und sich anschließend im Gras oder auf Bänken niederließen um gemeinsam in großer Runde Mitgebrachtes Mittagessen zu verzehren. Ganz in der Nähe des Klosters befindet sich eine Quelle, die heiliges, gesundmachendes Wasser sprudelt. Diese Quelle wurde stark besucht und auch wir konnten es nicht lassen und haben uns eine große Flasche mit dem kostbaren aber kostenlosen Wasser abgefüllt (sicher ist sicher). Findige Geschäftsleute saßen am Straßenrand und verkauften leere Flaschen (gebrauchte aller Art). Ein unwiderstehlicher Duft zog uns zu einem Teil des Klosters, wo ein Fenster weit offen stand: hier gab es frisch gebackenes Brot! Oh, wie lecker! Kaum zurück im Auto genossen wir diese herrliche Backware nur mit Butter und ein wenig Salz – wunderbar!

Wir fuhren weiter bis zum Nordufer des Peipussees (Peipsi järv), konnten uns aber nicht so recht für einen Nachtplatz entscheiden. Die gesamte Küste ist naturbelassen, d.h. Bäume bis an die Sanddünen (kaum zu glauben, aber es gibt sie an diesem Binnensee), aber überall zwischen drinnen Datschen oder Grillplätze. Kein ruhiges Plätzchen für uns. Der Grenzfluss Narva ist das einzige Gewässer, das den Peipussee verlässt und in die Ostsee fließt. Wir haben uns sowohl den Beginn als auch die Mündung angesehen –  Zeit hatten wir genug…

Er kam dann aber doch noch; der Tag, an dem wir Estland verlassen und in Russland einreisen konnten. Ein merkwürdiges Prinzip haben sich die Esten ausgedacht, um Ausreisewillige zu registrieren: auf einem eigens dafür geschaffenen Großraumparkplatz mitten in der Stadt muss man sich anmelden und wird dann, nach erfolgreicher Überprüfung per Leuchtdisplay aufgerufen (indem sie die Autonummern aufleuchten lassen) zu einem Schalter zu kommen, wo man die notwendigen Papiere erhält. Wir mussten 4 Stunden warten (andere auch) bis endlich unser Nummernschild aufblinkte. Wieder einmal waren wir froh, dass wir alles dabei hatten: Toilette, Getränke und was zu Essen. Herrlich, so ein Heim auf Rädern!

Der Übergang nach Russland verlief dann vergleichsweise schnell und unkompliziert, nach ca. 2,5 Stunden (in denen wir aber etwas zu tun hatten: Formulare ausfüllen, wieder zerreißen, neu ausfüllen, ein Stückchen weiterfahren, Passkontrolle, Fahrzeugkontrolle mit Öffnen aller sichtbaren Türen etc. etc. ) konnten wir den Grenzübergang verlassen und fuhren Richtung St. Petersburg. Per Zufall sahen wir ein Schild mit einem großen P, einer Schranke und einem Wachhäuschen vor einem etwas herabgekommenen Firmenparkplatz am Außenrand der Stadt, machten dem verdutzten Pförtner per Zeichensprache unser Anliegen klar (es war inzwischen spät abends geworden) und durften uns für 200 Rubel (68 Rubel = 1 €) einer erholsamen bewachten Nachtruhe hingeben. Noch 2 Nächte wählten wir diesen Schlafplatz für uns, 2 weitere Nächte standen wir am Straßenrand einer etwas abgelegenen und wenig befahrenen Seitenstraße mitten im Zentrum. Das ist in Russland kein Problem und wir wurden auch in Ruhe gelassen, dennoch bevorzugen wir bewachte Plätze: hier trauen wir uns nachts die Seitenfenster geöffnet zu lassen, am Straßenrand lässt uns die Befürchtung, es könnte uns im Schlaf jemand an die Nase packen nicht recht zur Ruhe kommen.

Die Stadt erschlug uns fast: eine gewaltige Sehenswürdigkeit neben der anderen, imposant und geschichtsträchtig. Wir entschlossen uns das Fahrzeug stehen zu lassen und die Innenstadt per pedes zu erkunden. Wir liefen um die Eremitage, über den Schlossplatz den Newskij Prospekt ein Stück hinauf und auf der anderen Seite wieder hinunter, schossen hunderte Fotos und waren abends völlig erschlagen. So oder so ähnlich verbrachten wir die Tage in St. Petersburg. Es gibt so unendlich viel zu sehen in dieser kaiserlichen Metropole, dass wir uns entschlossen kein einziges Gebäude von innen zu besichtigen, sondern unser Augenmerk auf die Architektur, die schönen Parks und die Menschen zu lenken. Museen, Schlösser, Festungen oder Kirchen gibt es in so großer Zahl, dass 5 Tage bei Weitem nicht ausreichen, wollte man sie sich in aller Ausführlichkeit anschauen (Ausnahme: Peter+Paul Kathedrale und Festung). So begnügten wir uns mit einem ersten Eindruck dieser goldglänzenden früheren Hauptstadt Russlands, erholten uns in Straßencafés und bemitleideten unsere Füße… Anhand der Fotos ist zu erkennen, welche der vielen Gebäude wir gesehen und bestaunt haben…

Nun haben wir St. Petersburg (zwischenzeitlich Leningrad) verlassen und sind in Richtung Norden und Ladogasee gefahren. Unser Navi wollte uns partout die weitaus längere Strecke am Ostufer des größten Süßwassersees Europas entlang führen, Dank unseres russischen Straßenatlasses und den Hinweisen, die uns unser Reisebegleiter Valery , den wir seit unserer Heimreise vor einem Jahr kennen und in lockerem Kontakt zu ihm stehen, gab, wussten wir aber von der kürzeren Strecke entlang des Westufers. Und nun erholen wir uns von Großstadt und Straßenpflaster im Süden Kareliens, haben einen schönen Platz an einem Hotel in Sortavala (den uns auch Valery nannte, vielen Dank an dieser Stelle!) mit Blick auf den See und verbringen die nächsten Tage mit Wäschewaschen, Gemüseputzen und nachlesen, was uns die nächsten 1000km bringen werden. Übrigens: seit mehreren Tagen tragen wir fertig geschriebene und adressierte Ansichtskarten mit uns herum: es gibt keine Briefmarken! Jedenfalls sind keine zu bekommen und Postämter, noch auf unseren Atlanten  gekennzeichnet als solche, wurden aufgegeben. Sicherlich, irgendwo wird es noch Postämter geben, nur kennt sie niemand und bisher konnte uns kein Mensch erklären, wo wir die benötigten Marken herbekommen können. Nachteil dieses Internet- und Emailzeitalters. Aber wir bleiben dran!

So, und nun noch ein paar Fotos (dieses Mal sind es etwas mehr geworden…) und tschüss, bis zum nächsten Mal!

Abstecher ans Mittelmeer: Schlossgarten im Oru-Park, ToilaNachbildung des Kaffeepavillons im Oru-Park, Toila. Das Original wurde im 2. Weltkrieg von den Deutschen zerbombt...Mini-Hafen von ToilaBoote im kleinen Hafen von ToilaHafeneinfahrt von ToilaHermannfeste in Narva und Burg Iwangorod auf der russischen SeiteFestung Iwangorod, 1492 von Iwan III erbaut, die Narva ist heute der Grenzfluss zwischen Estland und Russlanddie Narva, Grenzfluss zw. Estland und RusslandSandstrand westlich von Narva mit der Möglichkeit ein Feuer zu machenJunggesellinnenabschied auf estnischdie heilige Quelle am russ. orth. Kloster Kuremäeeinziges tätiges russ. orth. Nonnenkloster in Estland, Kuremäedas Fenster zur Backstube steht weit offen: hier kaufen wir frisches, noch warmes Klosterbrot. Lecker!Reiner sägt mit unserem kleinen Fuchsschwanz den Weg freiblühende WiesenSandstrand am Nordufer des Peipsi JärvGrasdünen am Nordufer des Peipsi Järvgelbes Haus in Vasknarva, wo die Narva aus dem Peipsi Järv "entspringt"orangene Post in Estland, ein Postkasten für 5 Familienzwischen den Häusern der Grenzfluß NarvaGrenzfluß NarvaPeterhof, 30km westl. von St. Petersburg gelegene Schlossanlage, 275m lang, von Peter dem Großen 1704 erbaut1 von insgesamt 150 Fontänen. Der Peterhof ist berühmt für seine vielen Fontänen, die allesamt aus einer nahegelegenen Quelle gespeist werden und nur durch den Wasserdruck sprudelnHand aufs Herz: für Geld....Goldmarie im FunkienbeetZipfelmützenmannVogelvoliere für Sommervögel...Verkehr auf der NewaPortraitzeichnungen für die TourisSchlossplatz mit Hauptquartier des Generalstabs6-spänniger Siegeswagen über dem Triumpfbogen (Sieg über Napoleon) am Hauptquartier d. GeneralstabsAnimateurin vor einem WachsfigurenkabinettAdmiralität mit ihrer goldenen Nadel über den ionischen Säulen samt dem goldenen Segelschiff als Wetterfahne ist eines der Wahrzeichen der Stadtder amerikan. Nähmaschinenfabrikant Singer ließ Anfang d. 20. Jahrhunderts dieses Haus bauen, heute Haus des BuchesGroßer Kaufhof (Bolschoj Gostinij Dwor), Handelshof aus der ZarenzeitSouvenirsAltstadt, Rundgang um die Kirche "Auf-dem-Blute"Christi-Auferstehungskirche "Auf dem Blute" (zur Erinnerung an ein Zarenattentat 1881)Mutter-Gottes-von Kazan-KathedraleVenedig des NordensAltstadt mit Tor zum SchlossplatzEremitage mit Schlossplatz und Alexander-SäuleGrandes Dames mit TurnschuhenEremitage an der Newaunser Übernachtungsplatz in St. Petersburg. Es gibt einen Wächter und ein Dixisklo....und kostet /Nacht 200 R (= knapp 3 €)Allee zum 300m langen Katherinenpalast im barocken Stil in Puschkin, früher Zarskoje Selo,Ähnlichkeiten sind rein zufällig...der barocke, 300m lange Katherinenpalast aus dem Jahr 1752 in Puschkinhöfische Figuren in BronzeKatherinenpalast, 300m lang im barocken Stil 1752 erbaut, im 2. Weltkrieg völlig zerstört, legendäres BernsteinzimmerKatherinenpalast mit WarteschlangeFlötist im Parkganze Stadtviertel entstehen neudas erste Wohnmobil in Russland ist ein rollendes KirchenmobilAlexander-Newskij-KlosterPanzerkreuzer Aurora (als Symbol der Oktoberrevolution) ist ein Kriegsschiff der ehemaligen Kaiserlich Russischen Marine und liegt seit 1956 als Museumsschiff in Sankt Petersburg.Gallionsfigur als DreimasterKinder Wackelspielzeug, umweltfreundlich, da ohne Batterien...Peter + Paul Kathedrale, Grablege der Zarenfamilie Romanow, im Vordergrund die Katherinenkapelle, in der 1998 die Familienmitglieder des Zaren Nikolaus II beigesetzt wurdenPeter der Große, modernes Denkmal von 1991Särge der kaiserlichen Familie in Marmor, grau-grünem Jaspis und dunkelrotem Quarzim Inneren der Peter+Paul KathedraleZellengang im Festungsgefängnisua wurde hier auch Maxim Gorkij gefangen gehalten (Zellen heute hell und freundlich restauriert)Blick von der P+P Festung auf Dreifaltigkeitsbrücke und AltstadtMetschet Moschee, nach einem Vorbild in Samarkandhier rattern noch die alten Wagen der StadtbahnWasser, Wasser, Wasser in KarelienPanzer zur Besichtigung und zum Beklettern an einem RastplatzNordspitze des Ladogasees, Sortavala, Hotel Piipun Piha, kleiner Yachthafenes kommt uns schwedisch vor